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Was der Klimawandel mit Controlling zu tun hat.

Das ist mein erster Blog, und ich möchte einmal als Professor für Controlling fragen, ob nicht auch die BWL ein klein wenig zur Lösung der Klimafrage beitragen kann. Ich denke an die „unsichtbare Hand“, wie sie der Ökonom Adam Smith beschrieben hat. Er hat dabei auf die Mechanismen der Selbstregulierung der Wirtschaftssubjekte (Menschen, Organisationen) vertraut. Smith meint, dass die Kosten eines Wirtschaftsgutes dessen Nachfrage beeinflussen (steigende Kosten dämpfen, sinkende Kosten stimulieren). Kosten stimulieren zudem die menschliche Kreativität: Muss ich dieses Gut haben, kann ich es substituieren, gibt es eine bessere (billigere Lösung) für mich?

Nach Smith ordnet sich das Gewebe dieser individuellen Entscheidungen aller Wirtschaftssubjekte „unsichtbar“, quasi automatisch. Das ist die „unsichtbare Hand“. In unserer sozialen Marktwirtschaft gibt es zusätzlich wichtige ordnende Mechanismen durch Staat und gesellschaftliche Kräfte, um möglichen Missbrauch einzugrenzen.

Wie kann man nun den Gedanken der unsichtbaren Hand auf den CO2-Ausstoß übertragen? Man müsste Mechanismen nutzen, mit denen sozusagen „automatisch“ ein Anreiz zu verminderten Emissionen gesetzt wird.

Es spricht vieles dafür, dass dieser Mechanismus dann besonders wirksam ist, wenn er über den (eigenen) Geldbeutel wirkt. Anders ausgedrückt: Wenn sich der Preis erhöht, vermindert sich die Nachfrage – natürlich nur, wenn die Nachfrage elastisch ist.

Ein genereller Umstieg auf den ÖPNV stößt an Grenzen


Steigende Benzinpreise werden also einen Pendler auf dem Land, der für den Weg zur Arbeit keine Alternative besitzt, nicht zu einer Veränderung seines Verhaltens bewegen. Er muss ja irgendwie zum Job kommen. Sein Nachfrageverhalten wäre nicht elastisch, sofern er nicht Sommers wie Winters die 20 km zum Job mit dem Fahrrad zurücklegen und im Sommer total verschwitzt und im Winter bei Eis und Schnee in welchem Zustand auch immer (wenn er überhaupt ankommt) ankommen will.

Diskussionswürdig scheint hier das Ansetzen an der Ursache zu sein, also an den CO2-Emissionen selbst (neben weiteren relevanten Emissionen). Damit sind wir beim Emissionshandel. Der Hebel über Emissionsrechte, also deren Verteuerung und Verknappung, dürfte einen wirksamen Anreiz setzen. Wir nutzen damit die „unsichtbare Hand“, indem Kosten für Emissionen erhöht werden.

Die dadurch ausgelöste Kreativität bei den Wirtschaftssubjekten scheint mir sehr wichtig zu sein. Darauf sollten wir nicht verzichten. Und wer wollte leugnen, dass jedermann gerade dann besonders kreativ ist, wenn es um das Schonen des eigenen Geldbeutels geht?

Marktwirtschaftliche Steuerungsinstrumente sind kreativitätssteigernd

Dann würden in Industrie und Privatwirtschaft die Hebel umgelegt, mit denen sich bei minimalem Mitteleinsatz die größtmögliche Wirkung erzielen lässt. Das hieße: die knappen Mittel würden dort eingesetzt, wo sie maximale Wirkung – also hier die Verringerung der Emissionen – erzielen würden. Wir könnten darauf vertrauen, dass menschlicher Geist gut in der Lage sein wird, die vielen Optionen eigenen Handelns klug abzuwägen und zu nutzen.

Die Chance wäre, dass nicht mehr die einzelne Emissionsursache im Fokus stünde. Emotionale Diskussionen über Benzin, Fleischverbrauch oder Flugverbote – die ja vom eigentlichen Ziel der Maßnahmen eher ablenken – ließen sich ersetzen durch eine globale Vorgabe, gemessen an verringerten Emissionsmengen. Dann würden die Prozesse und Technologien im Vordergrund stehen, bei denen es am billigsten ist, Emissionen einzusparen.

Ich gebe zu, es ist viel aufregender, mit Diskussionen über Fleischverbote oder Flugreisen die halbe Republik in Aufregung zu versetzen. Aber ein klein wenig von Adam Smith lernen könnten wir dennoch.  

Ökologie und Ökonomie müssen miteinander versöhnt werden

Das gesamte Thema ist komplex. Es ist eingebettet in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang. Es gibt sie eben auch noch: die Arbeitsplätze, die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die zu finanzierenden Sozialsysteme, die Aufgaben von Bildung und Forschung, die Kultur. Und auch soziale Bedürfnisse wollen wir nicht vergessen: Familien mit wenig Geld, die kleine Wohnung, die geheizt sein will, das kleine Auto, auf das man nicht verzichten kann.

Und dass bei allem Bemühen, Vorbild sein zu wollen, die Probleme der Welt nicht von Deutschland alleine (mit einem CO2-Anteil von 2,23% an den weltweiten Emissionen) gelöst werden können, ist hoffentlich auch allen klar. Und damit schließt sich der gedankliche Bogen zum Controlling als einem Instrument der Steuerung: menschliche Erkenntnis nutzen, anhand von Fakten die Lage bewerten, schlüssige Folgerungen und sachgerechte Lösungen entwickeln. Ich finde, dass der Emissionshandel eine solche Lösung darstellt.

Der Autor Andreas Moschinski ist Professor für Finanzen/Controlling an der Hochschule Koblenz und Geschäftsführer der Moschinski Consult GbR in Mainz.